Das Paradies

Es war einmal vor langer Zeit, es muss wohl vor sehr langer Zeit gewesen sein, da war die Welt noch ein Paradies.
Ein wunderschöner Garten mit blühenden Bäumen und duftenden Früchten mit bunt schillernden Vögeln und goldenen Fischen die sich in glasklarem Wasser der Seen tummelten.
Die Tiere konnten miteinander sprechen, obwohl sie so verschieden waren; jedes konnte sich auf seine Art ausdrücken und ganz sicher zu sein, verstanden zu werden.
Auch die Blumen und Gräser konnten das flüstern des Waldes verstehen, das der Wind ihnen zutrug. Und selbst der grau behaarte Fels war imstande seine Botschaft den anderen zu vermitteln. So gab es im Paradies unter all den Lebewesen niemals ein Missverständnis, alle waren miteinander verbunden und jedes diente auf seine Art und voll Freude der Schöpfung.

Gott liebte sein Paradies über alles und aus diesem Grund beschloss er seine Liebe aufzuteilen und in jede sichtbare Erscheinung seines Paradieses einen Teil seiner Liebe hinein zugeben. Alles war friedlich und es gab nichts was diesen Frieden hätte stören können.
Eines Tages hatte Gott eine Idee als er in seinem Paradies spazieren ging;
Wie schön wäre es, wenn ich nicht der einzige wäre… und so erschuf er einen Menschen nach seinem Ebenbild und weil er diesen Menschen ganz besonders liebte, gab er ihm ein ganz besonderes Geschenk, das weder Stein noch Tier noch Pflanzen vor ihm bekommen hatte. Er gab ihm einen eigenen Willen und damit die Freiheit, selbst bestimmen zu können.

Der erste Mensch war darüber etwas verwundert, das soll ein so großes Geschenk sein?
Er wusste zuerst gar nicht was er damit anfangen sollte und so fragte er Gott wie das mit der Freiheit gemeint sei und Gott antwortete:
Ich habe dich nach meinem Ebenbild geschaffen du hast die Wahl…und entfernte sich dann mit einem gütigen liebevollen Lächeln.

Na gut dachte sich der erste Mensch, wenn ich schon ein so großes Geschenk erhalten habe, so will ich es auch verwenden und begab sich auf den Weg zum großem Tor am Ende des Paradieses. Bevor er es aber öffnete, hatte er einen Wunsch – eine Gefährtin! ein zweiter Mensch, der mit mir gemeinsam unterwegs ist, um auszuprobieren wie das mit der Freiheit ist; und siehe da, kaum hatte er dies gedacht, sah er schon jemanden auf sich zukommenden.
Voll Freude sprudelte es aus ihm heraus, ich habe von Gott ein Geschenk bekommen ich habe die Freiheit, mein Leben selbst zu bestimmen… und die andere antwortete: ich auch !
und so verließen sie Hand in Hand das Paradies mit der Gewissheit, eine besonders große Portion von Gottes Liebe in sich zu haben.

Kaum hatten sie das Tor hinter sich gelassen, geschah etwas merkwürdiges das beide nicht erwartet hatten.
Vor ihnen lag das gleiche Paradies das sie gerade verlassen hatten.

Verwundert sahen sie einander an und erschraken Zutiefst, denn alles was rings herum zu sehen war, glich dem verlassenem Paradies wie ein Ei dem anderen.
Nur sie beide hatte sich verwandelt; beinahe gleichzeitig riefen sie aus…was ihr Innerstes
Zutiefst bewegte; du bist nicht ich! du siehst ja ganz anders aus!
Erschrocken ließen sie ihre Hände los und standen einander als Mann und Frau gegenüber.

Er sah sie wortlos an, unfähig auszudrücken was er soeben fühlte; einen sehr großen Schmerz in seinem Herzen - so, als würde dort plötzlich etwas fehlen, das gerade noch da gewesen war. In seiner Not wandte er sich an Gott…, Herr was soll ich tun damit ich wieder ganz werde? und Gott antwortete: ich habe dich nach meinem Ebenbild geschaffen, entscheide selbst,
du hast die Wahl.
Na gut dachte er wenn Gott es so will, dann werde ich mich auf die Suche machen bis ich das finde, was mir fehlt und eilte fest entschlossen davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Und so sah er nicht mehr, wie aus ihren traurigen Augen dicke Tränen flossen….
Viele Jahre vergingen und er war noch immer auf der Suche nach seinem fehlenden Stück. Oft hatte er geglaubt es gefunden zu haben, doch diese Glücksmomente waren stets nur von kurzer Dauer; das verzweifelte Suchen hatte ihn müde und blind gemacht, es fiel ihm gar nicht mehr auf, das rings umher noch immer das gleiche Paradies zu sehen war, das er einst verlassen hatte. Das einzige woran er nur noch dachte war, das er sein Leben selbst bestimmen kann. - schließlich hatte er dieses Geschenk ja von Gott persönlich erhalten, also warum sollte er es dann nicht voll auskosten. Manchmal geriet er dabei in gefährliche Abenteuer die er allesamt überstehen und meistern konnte.
Doch immer wieder kamen die Worte Gottes …ich habe dich nach meinem Ebenbild geschaffen… in seinen Sinn.
Was hat Gott nur damit gemeint grübelte er, doch er kam und kam nicht drauf…wieder vergingen viele Jahre.
Vom ewigen Suchen müde geworden, setzte er sich eines Tages ins frische Gras und betrachtete seine wunden Füße… Herr, ich weiß nicht mehr weiter…
Du hast mir den freien Willen gegeben, mein Leben selbst zu bestimmen.
Das habe ich getan und trotzdem habe ich das was mir fehlt noch immer nicht gefunden. Bitte hilf mir! und wieder hörte er Gottes Stimme … ich habe dich nach meinem Ebenbild geschaffen du hast die Wahl. – Nein ! nicht schon wieder …bitte sag mir endlich was diese Worte bedeuten und während Tränen der Verzweiflung über sein Gesicht liefen, öffnete sich der Himmel und Gott stand vor ihm – sieh mich an, sprach er gütig… ich habe dich nach meinem Ebenbild geschaffen, ich aber bin die Liebe …
Zögernd richtete er seinen Blick auf das Antlitz des Herrn… aber Herr, ich habe doch alle Prüfungen auf meiner Suche bestanden, ich habe meinen freien Willen gebraucht den du mir geschenkt hast, was hab ich falsch gemacht?
Doch ehe er diese Worte noch ausgesprochen hatte schloss sich der Himmel und er war wieder allein.
Die Tiere des Waldes scharten sich um ihn und wärmten seinen müden Körper mit ihrem Fell. Ein Schmetterling setzte sich auf sein Knie und putzte seine bunten Flügel … du bist nicht allein flüsterten Reh und Hase ihm zu und die Blumen und Gräser rings rum bewegten sich sanft im Abendwind und stimmten ihre Melodie darauf ein; doch von all dem bemerkte er nichts mehr.
Als er am nächsten Morgen erwachte, leuchteten die Sonnenstrahlen viel heller als sonst und tauchten die Landschaft in strahlendes Licht…was war geschehen? träume ich ? oder ist das die Wirklichkeit; und während er versuchte das herauszufinden, klang die Stimme Gottes in seinem Ohr, ich bin die Liebe …und plötzlich, wie vom Blitz getroffen, bewegten diese Worte sein Herz …
Zutiefst erschüttert und glücklich zugleich, begriff er in diesem Augenblick, was Gott damit gemeint hatte … ich bin die Liebe… ich bin die Liebe …
Tränen der Rührung flossen über sein Gesicht als er vor der Sonne in die Knie sank.
Jetzt wusste er, was das fehlende Stück in seinem Herzen war das er geglaubt hatte, irgendwo da draußen zu finden; und während er so da kniete…, und sein Gesicht in den Händen vergrub, näherte sich ihm aus der Ferne, eine liebliche Gestalt.
Er war so in sich versunken, dass er sie erst wahrnahm, als sie vor ihm stand und mit sanften Händen sein Gesicht berührte. Er erhob seinen Blick, und sah geradeswegs in ihre Augen… und wusste, dass eine Suche von 1000 Jahren in diesem Moment zu Ende war ….

Kannst du dich noch erinnern, wie wir das Paradies verlassen haben? klangen behutsam ihre Worte... du konntest mich nicht finden, weil dir die Liebe gefehlt hat… ich weiß, sagte er mit einem dankbaren Blick zur Sonne; dann stand er auf, nahm ihre Hand und sie machten sich gemeinsam auf den Weg zum großem Tor am Anfang des Paradieses…….

und wenn du bereit bist, wartet das Paradies auch auf dich… es ist in Dir… du brachst nur einzutreten… die Tür ist offen …

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